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Manuel KiesslingWillkommen. Dies ist eines dieser Blogs, die nur sehr unregelmäßig gepflegt werden, was sie aufgrund ihrer Irrelevanz wohl auch nicht anders verdient haben. Zumindest ist es die zentrale Sammelstelle für alle mich betreffenden Dinge in den Untiefen dieses seltsamen Interwebs:Xing Profil
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Database Change Management mithilfe von VCS: Teil 1

Vorüberlegungen

Dieses Dokument beschreibt Werkzeuge und Prozesse, um Datenbankänderungen innerhalb von großen Softwareprojekten einfach, fehlerfrei und nachvollziehbar durchzuführen und zu managen.

Zentraler Ansatz dieser Lösung ist: Datenbankänderungen und Codeänderungen sind prinzipiell genau dasselbe. Denn Datenbankänderungen haben genau wie Codeänderung die folgenden Eigenschaften:

  • Sie ändern das Verhalten des Softwaresystems
  • Sie entwickeln sich verteilt in verschiedenen Projekten bzw. Branches, und müssen für Abnahme und Rollout/Release zusammengeführt werden
  • Beim Zusammenführen kann es Überschneidungen und Konflikte geben, die man mitbekommen und lösen können möchte
  • Man möchte sie auch später noch nachvollziehen können, also sehen wer wann was gemacht hat
  • Man möchte diese Änderungen ggf. einem Reviewprozess unterziehen

Wenn wir Datenbankänderungen in diesem Sinne genau wie Codeänderungen verstehen, macht es auch Sinn, Datenbankänderungen genau wie Codeänderungen zu behandeln. Und das bedeutet, diese innerhalb des bereits vorhandenen Entwicklungsprozesses zu managen und im selben VCS Repository zu verwalten.

Abbildung der Datenbankänderungen im VCS

Unter Datenbankänderungen müssen wir verstehen: Alle SQL Statements, welche die Strukturen oder Inhalte einer Datenbank verändern.

Eine Datenbankänderung im Zuge eines Projekts, Bugfixes oder sonstigen Tickets ist daher folgerichtig eine Sammlung von SQL Statements, welche zusammen mit den Codeänderungen des zugehörigen Tickets im selben Branch vom Entwickler hinterlegt wird.

Hinzu kommt, dass es eine klar definierte Lokalität für diese Änderung geben muss, damit ein Raum geschaffen ist, in dem Konflikte entstehen (und gelöst werden) können. So wie die gleichzeitige Änderung an der Datei myFile.txt in zwei verschiedenen, zu mergenden Branches zu einem Konflikt führt - da in beiden Branches die Datei den selben Speicherort, also dieselbe Lokalität besitzt - müssen auch Änderungen an derselben Tabelle in zwei Branches innerhalb derselben Lokalität des jeweiligen Branches stattfinden.

Der vorgeschlagene Ansatz ist daher, die Struktur der Datenbank, also die Databases mit den darunterliegenden Tables, in einer analog aufgebauten Ordner-Datei-Struktur abzubilden.

Die Lokalität für die Tabelle users.hobbies wäre beispielsweise die Datei /dbchanges/users/hobbies.sql innerhalb des VCS.

Abgebildet wird die gesamte DB Struktur, also alle Databases mit allen ihren Tables:

/dbchanges/users/hobbies.sql
/dbchanges/users/contact.sql
...
/dbchanges/products/colors.sql
/dbchanges/products/forms.sql
...

und so weiter.

Gerade bei komplexen Datenbanken macht es natürlich Sinn, diese Struktur mit einem Skript zu erzeugen, für MySQL kann man dazu in einem beliebigen Verzeichnis folgenden Code ausführen (geht davon aus, dass die MySQL Daten unterhalb /var/lib/mysql liegen):

find /var/lib/mysql -type f -name *.frm -exec dirname {} \;| cut -d "/" -f 5| xargs mkdir -p
find /var/lib/mysql -type f -name *.frm | cut -d "/" -f 5,6 | sed "s/.frm/.sql/g" | xargs touch

Diese Dateien nenne ich im folgenden DB Change Container.

Prozessbeschreibung

Während der Produktion eines neuen Release

Wichtig ist, dass sämtliche DB Change Container nach einem Release, nachdem diese Änderungen also auf dem Produktivsystem angewendet wurden, wieder leer sind - denn zum Start der Produktion eines neuen Releases liegen noch keine neuen Änderungen für die DB vor.

Nun beginnen die Entwickler, Tickets (Feature Requests, Bugs etc.) umzusetzen, einige gemeinsam in einem Branch, einige in eigenen Branches. Sind im Zuge einer Implementation Datenbankänderungen notwendig, hinterlegt der Entwickler innerhalb des zugehörigen Branches diese Änderungen nach folgendem Muster:

  • Case 1: Die Tabelle user.hobbies soll verändert werden (neues Feld, Feld löschen, Index anlegen oder löschen, einfügen, löschen oder ändern von Einträgen etc.)Der Entwickler legt alle benötigten Statements in der Datei /dbchanges/users/hobbies.sql ab:

    USE users;
    ALTER TABLE hobbies ADD newfield1 INT NOT NULL AFTER userId;
    ALTER TABLE hobbies DROP oldfield;
    ALTER TABLE hobbies ADD newfield2 TINYINT NOT NULL;
    ALTER TABLE hobbies ADD INDEX (newfield2);
    INSERT INTO hobbies ( id, name, value ) VALUES (1234, ‘hobbyname’, ‘hobbyvalue’);

  • Case 2: Der Entwickler legt eine komplett neue Tabelle pets im vorhandenen Schema users anEr erzeugt dazu eine neue Datei /dbchanges/users/pets.sql und füllt sie mit dem CREATE Statement (sowie ggf. INSERT Statements):

    USE users;
    CREATE TABLE pets(
    id INT UNSIGNED NOT NULL AUTO_INCREMENT PRIMARY KEY,
    petname VARCHAR( 64 ) NOT NULL,FULLTEXT ( petname )
    );

  • Case 3: Der Entwickler legt eine neue Database products und darin eine neue Tabelle colors anEr erzeugt einen neuen Ordner /dbchanges/products und darin eine Datei colors.sql mit folgendem Inhalt:

    CREATE DATABASE products;
    USE products;
    CREATE TABLE colors (
    id INT UNSIGNED NOT NULL AUTO_INCREMENT PRIMARY KEY,
    colorname VARCHAR( 24 ) NOT NULL
    );

  • Case 4: Der Entwickler löscht die Tabelle colors in der Database products Er füllt die Datei /dbchanges/products/colors.sql mit folgendem Inhalt:

    USE products;
    DROP TABLE colors;

Ansonsten läuft der Entwicklungsprozess wie gewohnt.

Merge aller Tickets für den Release

Werden nun verschiedene Tickets für den Release gebündelt, werden die einzelnen Branches wie gehabt gemerged. In Hinblick auf die DB Änderungen passiert nun folgendes: Sämtliche Änderungen in den einzelnen Branches unterhalb von /dbchanges werden naturgemäß unterhalb /dbchanges im Merge zusammengeführt.

Hierbei greifen die bekannten VCS Mechanismen: Wurden Änderungen in einer Datei nur in einem einzigen Branch oder Commit vorgenommen, werden diese Änderungen einfach angewendet. Wurden Änderungen an einer Datei (also innerhalb derselben Lokalität) in mehreren Branches vorgenommen, kommt es zu einem Konflikt.

Dies ist der erste wichtige Mechanismus der hilft, die drei Anforderungen - einfach, fehlerfrei und nachvollziehbar - zu gewährleisten: Da der Konflikt garantiert eintritt, ist auch garantiert, dass der Vorgang völlig automatisch die notwendige Aufmerksamkeit erzeugt und nicht übersehen werden kann.

Nun muss, wie auch bei Codekonflikten, gelöst werden: Machen beide Änderungen Sinn, oder widersprechen sie sich? Wie genau kann man sie am sinnvollsten zusammenführen? Relevant ist hier nur, dass am Ende ein Set an Änderungsanweisungen in den Approval committet wird, welches in sich rund ist.

Falls es eine eigene Test oder QA Datenbank für den gibt auf die diese Änderungen angewendet werden müssen, wird dies gemacht nachdem alle Tickets fertig gemerged wurden.

Durchführung des Release

Wurde im Vorfeld alles richtig gemacht, muss im Zuge des Rollout oder Release nur noch das zusammengefasste Set an Änderungen ermittelt werden, und diese müssen dann, entsprechend ihrer jeweiligen Eigenschaft, ausgeführt werden. Die Summe der Änderungen ergibt sich aus der Summe aller Anweisungen in den DB Change Containern unterhalb /dbchanges - hier macht es natürlich Sinn, dass man diese mithilfe eines Skripts “zusammensammelt”, aber ich gehe hier nicht näher darauf ein.

Nach dem Rollout/Release, und vor dem Erzeugen neuer, müssen dann im qa Branch sämtliche Datenbank-Änderungsanweisungen aus den DB Change Containern entfernt werden (auch hier macht ein Skript wie z.B. for f in `find . -type f -name *.sql`; do echo -n "" > $f; done Sinn, um diesen Schritt zu vereinfachen), und dies muss in den Trunk (oder von wo aus auch immer neue Branches gebildet werden) committet werden - denn sonst würden dieselben Änderungen beim nächsten Rollout erneut angewendet werden.

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Über PHP, und den Rest

Nachtrag: Ich wurde - zu Recht - gefragt, warum ich mich auf diese Diskussion denn jetzt noch einlasse, die Erkenntnis sei keine wirklich neue. Stimmt, ist sie nicht. Und sie ist mir auch nicht erst gestern gekommen. Was mir aber tatsächlich erst jetzt so richtig bewusst geworden ist, ist dass nicht nur die Diskussion unnötig ist, sondern dass sie zusätzlich den Blick verstellt für die wirklich relevanten Fragen. Und soll daher ein klitzekleiner Beitrag sein, diesen Level der Diskussion nun aber wirklich hinter uns zu lassen und den Weg gedanklich frei zu machen für die wirklich spannenden Herausforderungen der Softwareentwicklung. Diesen Punkt wollte ich herausstellen. Es ist immer noch der Dreh- und Angelpunkt aller Diskussionen, was benutzt du, was ist der neueste heiße Scheiß, mein Hammer schlägt die Nägel schneller ein als deiner. Leute, der bessere Hammer wird nicht den besseren Schrank bauen. Er spart euch vielleicht die ein oder andere Mühe oder hämmert schneller. Aber wenn ihr immer noch einen dämlichen, ungenauen Bauplan für euren Schrank benutzt, dann wird’s derselbe dämliche Schrank werden, von mir aus halt schneller und mit weniger Mühe gebaut. Na Glückwunsch. Also, wann endlich lassen wir diesen pubertären Unsinn hinter uns und fangen an, die Foren mit einem neuen Level von Diskussionen zu füllen?

Was sind schon für Schlachten ausgefochten worden über das Thema PHP vs Java, PHP vs Rails, PHP vs Python. Keine Heise Meldung zu PHP vergeht ohne einen schier endlosen Flamewar. Dieser enthält immer unglaublich viele dumme Kommentare, und manchmal sehr wenige kluge. Ich will an mich selbst den Anspruch stellen, einen der eher klügeren zu verfassen.

Was zumeist wirklich dumm ist an den dummen Kommentaren, das sind in aller Regel nicht Position und Argumente des Schreibenden für oder wider eine bestimmte Programmiersprache - es ist der Kampf selbst, der ein völlig falscher ist, der schlicht an der falschen Front stattfindet.

Ich habe den einen oder anderen Tag meines Lebens mit PHP zugebracht. Ich kenne die Argumente, alle, und ich habe jedes einzelne, die positiven wie die negativen, immer wieder am eigenen Leib erfahren. Und die Negativseiten von PHP, es sind nicht wenige. Ich bin dennoch dabei geblieben, man mag mich störrisch nennen. Ich weiß aber jedenfalls ein Positives zu berichten, vielleicht weniger von PHP selbst, ganz sicher aber von den PHPlern: Sie sind, zumindest die etwas erfahreneren unter ihnen, ein wenig die Ruhrpöttler unter den Programmiersprachenevangelisten. Dank Frank Goosen wissen wir, wie der Ruhrpöttler über seine Heimat denkt. Statt, wie alle anderen, zu behaupten, bei ihm sei es sehr schön, stellt er fest: “Woanders ist auch scheiße!”. Wer mag ihm widersprechen?

Der PHPler, so er denn zu einer gewissen Altersweisheit gelangt ist, wird nicht unzufrieden feststellen: Auf der anderen Seite des Zaunes ist das Gras so unglaublich viel grüner nun wirklich nicht.

Woran liegt das? Nun, der erfahrene PHPler hat eine sehr wichtige Erkenntnis erlangt: Wenn man - ganz allgemein - über die Qualität von Programmen spricht, dann ist die eingesetzte Programmiersprache der mit Abstand unwichtigste Faktor in der Diskussion. Ich halte das für so wichtig, dass ich es wiederhole: Das Unwichtigste an einem Programm ist die Programmiersprache. Und spannenderweise steht diese Wichtigkeit (bzw. die Unwichtigkeit) in einem diametral entgegengesetzten Verhältnis zu Energie und Geifer, die auf eben diesen Faktor eingesetzt werden, von allen Parteien, natürlich auch den meisten PHPlern.

Wieso sprechen wir, wenn wir über Qualität sprechen, stets über die Programmiersprache, statt über die Faktoren die tatsächlich relevant sind, zum Beispiel ein funktionierendes Anforderungsmanagement, die Zusammenstellung eines fähigen Teams, oder die richtige Architektur, um nur einige zu nennen? Sind wir alle so gut, dass wir uns den Luxus erlauben können, unsere Energie auf einen unwichtigen Nebenaspekt der Diskussion zu konzentrieren? Wenn ich mir den Markt verfügbarer Software so anschaue, denke ich, die Antwort lautet nein.

Ich wollte noch etwas mehr schreiben, aber Sie müssen mich nun entschuldigen; ich muss eine wichtige Präsentation für mein Team vorbereiten - über Objective-C.

Der Autor leitet die Abteilung Softwareentwicklung bei der MyHammer AG. Er ist geboren in Soest - was wahrscheinlich fast, aber nicht ganz, im Ruhrgebiet liegt.

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Wie man Replikationsunterbrechung durch Deadlocks bei INSERT INTO … SELECT verhindert

Der My-Hammer Auftragsradar, der unsere Auftragnehmer auf Wunsch regelmässig per E-Mail über neu eingestellte Auktionen anhand einstellbarer Filterkriterien informiert, baut bei jedem Durchlauf eine eigene Suchtabelle auf. Diese wird gefüllt mit einer Untermenge der Daten unserer Haupt-Auktionstabelle, nämlich nur den derzeit laufenden Auktionen.
Die Verwendung von INSERT INTO … SELECT ist hier naheliegend, zum Beispiel so:

INSERT INTO Suchtabelle SELECT a, b, c FROM Auktionstabelle WHERE x = y

Es ergab sich folgendes Problem: Der Query wird wie jeder andere auch auf die Datenbankslaves repliziert. Dort wurde er auch korrekt ausgeführt. Jedoch nicht immer auf dem Master: hier kam es regelmäßig zu Deadlocks auf der Auktionstabelle, da dies eine InnoDB Tabelle ist (bei MyISAM Tabellen können Deadlocks nicht auftreten).

Wenn ein MySQL Slave jedoch feststellt, dass beim gleichen Query auf dem Master und auf dem Slave unterschiedliche Fehler auftreten (Slave: no error; Master: deadlock), unterbricht dieser die Replikation. Es hilft dann nur ein SET GLOBAL SQL_SLAVE_SKIP_COUNTER=1; START SLAVE;.

Ich habe mich daraufhin nach Lösungen umgeschaut. Erste Anlaufstelle ist das Kapitel Vom Umgang mit Deadlocks im MySQL Handbuch.

Mein erster Versuch war, den 4. Tipp dieses Kapitels zu befolgen: Das Einstellen eines niedrigeren Isolationslevels. Da perfekte Datenkonsistenz für die benötigte Suchtabelle nicht nötig ist (dirty reads also akzeptabel sind), verwendete ich gleich den niedrigsten Level READ UNCOMMITED. Das Ergebnis war gelinde gesagt verheerend, es traten noch mehr Deadlocks auf als zuvor.

Deshalb bin ich dazu übergegangen, die beteiligten Tabellen explizit mit einem READ LOCK zu sperren - viele Artikel zu diesem Thema haken diese Vorgehensweise sofort als nicht gangbar ab, da die Performance darunter leide. Da es sich beim Auftragsradar jedoch um einen Cronjob handelt, der nur alle paar Minuten einmal läuft, und der INSERT INTO … SELECT Query sehr schnell durchläuft, erschien mir das Risiko, eine unserer wichtigsten Tabellen für diesen Query zu sperren, als gering.

Wie sich zeigte, brachte dies den gewünschten Erfolg: Seitdem sind an dieser Stelle keinerlei Deadlocks mehr aufgetreten, und der Rest der Plattform zeigt sich von den seltenen und kurzen Locks völlig unbeeindruckt.

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Recycelter Artikel: “My-Hammer, das Fernsehen und die Serverlast”

Vor mittlerweile auch schon wieder einer halben Ewigkeit hatte ich mal eine kurze Artikelserie zum Thema Serverlast-Problemlösungen bei MyHammer online, die ich nun wieder ausgegraben habe. Vieles entspricht gar nicht mehr den aktuell bei MyHammer eingesetzten Lösungen, aber verwahrenswert finde ich den Schrieb allemal. Leider fehlen die Grafiken, vielleicht finde ich die noch mal irgendwo.

Vergangenen Donnerstag zeigte das ProSieben Magazin Galileo einen ca. 10-minütigen Beitrag über My-Hammer (kurze Infos zur Sendung hier). Vom Ansatz her ging es um “Branchenbuch vs. My-Hammer”, aber für die Betrachtung hier ist das gar nicht so sehr von Interesse - es ist noch nichtmal von Interesse, ob so ein Beitrag positiv oder negativ für uns ist (in dem Fall war’s wie fast immer positiv) - sobald das Magazin, in dem über uns berichtet wird, genug Reichweite hat, schießen die Zugriffe in die Höhe. Die wichtigste Erkenntnis, die wir immer wieder machen: zumindest bei den Privaten scheinen die Zuschauer sprichwörtlich mit dem Laptop auf den Knien vorm Fernseher zu sitzen. Die Zugriffe kommen extrem schnell und gebündelt (beim Galileo-Beitrag war aber interessant, dass die Zugriffe wieder auf einen Schlag kamen, aber erst in dem Moment, in dem der Beitrag vorbei war).

Genau dieses plötzliche Auftreten so vieler Zugriffe ist natürlich die Herausforderung - dieselbe Anzahl User auf nur 15 Minuten verteilt wären kein Problem, aber TV sorgt dafür, dass das meiste innerhalb der ersten 5 Minuten passiert. Und es ist wirtschaftlich natürlich ziemlich unvernünftig, die für diese 5 Minuten benötigte Rechenpower anzuschaffen, nur damit sie die anderen 525.595 Minuten im Jahr vor sich hindümpelt.

Trotzdem kann man eine Webseite auch auf solche Extremsituationen vorbereiten - My-Hammer hat am Donnerstag perfekt standgehalten, lediglich eine leichte Verzögerung in den Ladezeiten war während der kritischen Phase spürbar.

Um kurz die Dimensionen klarzumachen, erstmal eine Grafik, welche den ein- und ausgehenden IP Traffic für unser Netzwerk anzeigt. Man sieht sehr deutlich den Sprung auf das gut 2,5-fache des normalen Werts. Der Faktor selbst klingt vielleicht erstmal nicht so dramatisch, aber wie erwähnt geht es nicht um die Masse an sich, sondern das extrem gebündelte Auftreten dieser Masse an Zugriffen:

IP-Traffic My-Hammer

Ich behaupte mal, man erkennt recht gut, wann die Sendung lief…

Also, wie kann man die Serversysteme auf so etwas vorbereiten? Klar: mehr Server kaufen. Das ist durchaus ein Aspekt, aber nicht das Allheilmittel. Vor allen Dingen kann das sehr ineffektiv und unwirtschaftlich sein. Angenommen, man hat Server A mit einer gewissen Leistungsfähigkeit. Nun kann man sich Server B mit doppelt so schnellem Prozessor, doppeltem Arbeitsspeicher und doppelt so schnellen Festplatten kaufen. Dann hat man schon Unmengen von Geld ausgegeben, und hat gerade mal eine Steigerung der Leistungsfähigkeit von 100% (mal davon abgesehen, dass die Rechnung “doppelt so schnelle Hardware, doppelt so viel Leistung” in der Praxis auch nicht wirklich hinhaut). Dagegen kann ein einziger geschickt gesetzter Index in der Datenbank manchmal 1000% bessere Performance bringen, ohne dass man etwas an der Hardware tut.

Wenn man den Anschaffungspreis neuer Hardware mal auf den Stundenlohn eines Entwicklers umrechnet, wird man schnell zu dem Schluss kommen, dass es sich auch finanziell durchaus rechnen kann, diesen einige Tage lang auf die Datenbank anzusetzen um zu schauen, ob nicht doch irgendwo ein wichtiger Index vergessen wurde oder einige Tabellenstrukturen besser ganz anders aufgebaut sein sollten.

Das sind nur ein paar grundsätzliche Überlegungen. Spürbaren Erfolg wird man nur haben, wenn man ein ganzes Bündel an Massnahmen ergreift und vor allem immer das Gesamtsystem vom Code über die Datenbank bis hin zu den Servern und dem Netzwerk im Überblick hat. Die vielleicht wichtigste Faustregel, wenn man über Performanceoptimierung von Webseiten spricht, scheint mir daher zu sein: Coder und Admins an einen Tisch! Es hilft nichts, wenn die Entwickler meinen, die Geschwindigkeit des Systems sei doch schliesslich Sache des Admins. Umgekehrt ist es extrem hilfreich, wenn die Programmierer auch einen gewissen Sysadmin-Background haben, und die Admins umgekehrt auch Programmiererfahrung haben; was bei uns glücklicherweise sogar sehr ausgeprägt der Fall ist.

Die weiteren Teile befassen sich mit den konkreten Massnahmen, die man ergreifen kann um sich auf einen TV Beitrag vorzubereiten.

Hinweis: Thematisch durchaus verwandt berichtet Tom Bachem über die Systemarchitektur von sevenload.

Welche Massnahmen kann man nun konkret ergreifen, um sich auf einen TV Beitrag über die eigene Webseite vorzubereiten? Ich versuche so allgemein wie möglich zu bleiben, aber da es um konkrete Ratschläge gehen soll und ich holprige Umschreibungen vermeiden möchte, wird das Vokabular ab jetzt etwas LAMP-lastig; bitte entsprechend auf die eigene Technik ummünzen.

Massnahme 1: Datenbankoptimierung

Wurde ja schon erwähnt: die Indizes. Ich verrate wahrscheinlich nicht einmal DB Anfängern etwas neues, wenn ich betone, dass dies essentiell ist. Wenn man die Indizes nicht im Griff hat, braucht man sich die anderen Punkte noch gar nicht anschauen. Deshalb: Ins Slow-Log gucken. Vor allem: Immer wieder. Einen Status Quo gibt es nicht! Immer wieder EXPLAIN bemühen, vom stumpf auf die Strukturen in phpMyAdmin gucken findet man die Performancefresser nicht.

Es gibt diese missverständliche Formel “Braucht man Geschwindigkeit, nimmt man MyISAM, braucht man Sicherheit, InnoDB”. InnoDB ist nicht nur einen Blick wert, wenn man Transaktionssicherheit braucht. Im Gegensatz zu MyISAM lockt InnoDB bei schreibenden Queries immer nur die betreffenden Zeilen, MyISAM dagegen grundsätzlich die gesamte Tabelle. InnoDB hat zwar aufgrund der größeren Komplexität etwas mehr “Grundoverhead”, aber das intelligentere Locking kann immens wertvoll sein in bestimmten Szenarien und das mehr als wettmachen. Wenn man eine Tabelle hat die man hinsichtlich Struktur und Indices schon perfekt durchoptimiert hat (genau das aber wiederum erstmal sicherstellen!), und trotzdem tauchen Queries auf diese Tabelle immer noch im Slow Log auf, dann sollte man prüfen, ob diese Queries vielleicht immer auf einen Lock warten. In diesem Fall InnoDB auf jeden Fall eine Chance geben. Das hat bei uns konkret bei den Session und Cachetabellen (dazu später mehr) enorm viel gebracht, weil dort die Lese- und Schreibzugriffe ein ausgewogenes Verhältnis haben.

Ein Aspekt, der wenig berücksichtigt wird, ist die Größe der Felder, auf die man Indices setzt. Es kann sich lohnen, hier sparsam zu sein, denn ein kleinerer Spaltentyp bedeutet auch weniger Speicherplatzverbrauch für den Index auf diese Spalte, und das kann im Zweifel nur gut (= schneller) sein. Man ist halt geneigt, seine Primary IDs immer als INT anzulegen. Aber nehmen wir mal den Klassiker Benutzertabelle: Wird man wirklich in nächster Zeit 4 Milliarden User haben? Das dürfte selbst bei eBay noch ein bisschen dauern. Erstmal tut es also auch ein MEDIUMINT, setzt man diesen UNSIGNED, ist das Limit bei 16 Millionen. Hat man soviele User, bewegt man sich wohl eh in völlig anderen Dimensionen.

Zumal das Umwandeln einer Spalte in einen Typ mit größerem Wertbereich (also z.B. von MEDIUMINT nach INT) unproblematisch ist. Wichtig ist allerdings auch, dass man sämtliche Felder, die einen Fremdschlüssel auf ein MEDIUMINT Feld darstellen, ebenfalls als MEDIUMINT anlegt, sonst hat man bei Joins nichts gewonnen.

Was bei der Skalierung von MySQL immer enorm hilft ist Replikation. Dazu wurde schon so viel geschrieben, dass ich mir die Wiederholung spare, nur dies: Wir fahren bisher sehr gut damit, das Balancing der Nur-Lese Zugriffe direkt in unserer Applikation zu regeln, und nicht über einen eigenen Software- oder Hardware-Loadbalancer. Da bei fast jedem Seitenaufruf der Master sowieso früher oder später konnektiert werden muss, kann man diese Verbindung auch nutzen, um MASTER STATUS und SLAVE STATUS zu vergleichen, um so ein Fallback auf den Master zu realisieren, falls alle Slaves einmal mehr als 0 Sekunden hinter dem Master zurückhängen. Was sich übrigens ziemlich gut vermeiden lässt, wenn man Master und Slaves per Gigabit statt Fast Ethernet anbindet.

Ein oft nicht wahrgenommener Vorteil von Replikation: Man kann einen Slave für’s Backup bereitstellen, auf dem man die Datenbank stoppen und auf Dateisystemebene wegkopieren kann (oder man hält nur den Slave Thread an und macht einen Dump), so dass man einen sauberen Snapshot der Datenbank hat, ohne das Gesamtsystem anhalten zu müssen.

Ein weiterer wichtiger Hebel für die Skalierung ist es, für spezielle Aufgaben jeweils eigene DB Server bereitzustellen, z.B. ein oder mehrere Maschinen nur für die Sessiontabellen, nur für Tabellen mit Cache-Inhalten, nur für Logtabellen; prinzipiell kann jede Tabelle, die nicht in Form von Joins oder Subselects zusammen mit anderen Tabellen gleichzeitig abgefragt werden muss, auch getrennt von den anderen Tabellen auf einem eigenen Server liegen. Darüber hinaus macht die Trennung von sehr verschiedenen Tabellen wie Session- und Logtabellen alleine deshalb schon Sinn, weil man dann die Datenbanksoftware für diese speziellen Aufgaben optimieren kann.

Eine praxisnahe Zusammenstellung der Massnahmen, die sich bei My-Hammer.de bewährt haben:

InnoDB vs MyISAM

Ich schrieb bereits, dass man InnoDB nicht nur dann in Erwägung ziehen sollte, wenn man Transaktionssicherheit benötigt. Eine Tabelle von MyISAM auf InnoDB umzustellen kann unter Umständen Geschwindigkeitsvorteile bringen, nämlich dann, wenn das zweite wichtige Feature von InnoDB neben der Transaktionssicherheit, das Row Level Locking, effektiv zum Zug kommen kann. Um herauszufinden, ob dies der Fall ist, kann man wie folgt vorgehen:

Mitloggen aller Queries

Wenn man für einen bestimmten Zeitraum (bei einer gut besuchten Seite reichen wenige Minuten) einmal alle Abfragen, die an die Datenbank gestellt werden, mitschreibt, kann man aus diesem Log eine Menge interessanter Informationen ziehen. Um festzustellen, ob eine Tabelle vom Row Level Locking profitieren könnte, muss man die lesenden (SELECT) und schreibenden (INSERT, UPDATE, DELETE etc.) Abfragen gegenüberstellen.

Wird aus einer Tabelle sehr häufig gelesen, die Daten in der Tabelle aber nur sehr selten verändert, dann macht das Table Level Locking von MyISAM in der Regel keine Probleme: Zwar wird bei einem UPDATE, INSERT oder DELETE die gesamte Tabelle für nachfolgende Lesezugriffe gesperrt (d.h. diese müssen warten), bis der Schreibprozess abgeschlossen ist. Aber da dies nur selten geschieht, kommt es auch selten vor, dass ein Leseprozess warten muss, so dass daraus keine spürbare Verzögerung im Gesamtsystem resultiert.

Gleiches gilt im umgekehrten Fall: Wird in eine Tabelle praktisch nur geschrieben, aber selten daraus gelesen (wie es z.B. bei Logtabellen häufig der Fall ist), dann kollidieren auch hier die “Interessen” nur so selten, dass nicht mit Performanceeinbußen zu rechnen ist.

Slow Log

Interessant sind also jene Tabellen, bei denen Schreib- und Lesezugriffe in einem ausgeglicheneren Verhältnis stehen. In welcher Relation die beiden Zugriffsarten dabei mindestens stehen müssen, damit es sich “lohnt” InnoDB einzusetzen, ist schwer zu sagen. Ein Blick ins Slow-Log von MySQL hilft hier weiter: Wenn man immer wieder bei denselben Tabellen auf langsame Queries stösst, die nicht wegen des Queries selbst langsam waren, sondern weil sie auf ein Lock warten mussten, hat man auf jeden Fall aussichtsreiche Kandidaten.

SHOW PROCESSLIST

Eine weitere Methode ist, sich einmal für einige Minuten immer wieder die Liste der laufenden Prozesse in MySQL auflisten zu lassen (SHOW PROCESSLIST). Wenn man dort immer wieder dieselben Queries sieht, deren Status Locked ist, dann weiss man wo das Problem liegt. Diese Methode mag zwar auf den ersten Blick wie ein Glücksspiel wirken, aber gerade weil man immer nur die Prozesse sieht, die zufällig gerade laufen wenn man den Befehl absetzt, fallen die problematischen Prozesse erst recht auf, die immer wiederkehren und oft vielleicht sogar während zwei oder mehr SHOW Aufrufen immer noch laufen. Meiner Meinung nach die schnellste Methode, Flaschenhälse zu finden.

Mehr zum Thema Locking gibt es im Kapitel ‘Internal Locking Methods’ des MySQL Handbuchs.

Nehmen wir also an, man hat einige Tabellen identifiziert, bei denen Queries öfter als gesund ist auf einen Lock warten müssen. Dies könnte beispielsweise eine Sessiontabelle sein (falls man z.B. PHP nutzt und die Sessionfunktionen so angepasst hat, dass diese eine MySQL Datenbank als Storage nutzen, ein ziemlich klassisches Szenario). Diese Tabelle wird bei jedem Seitenaufruf zu Beginn einmal gelesen, um die Session des aufrufenden Benutzers zu laden, und am Ende des Skripts wird der Sessioninhalt dieses Benutzers wieder geschrieben. Also ein sehr ausgewogenes Verhältnis zwischen lesenden und schreibenden Zugriffen - jeder Seitenaufruf, der gerade an dem Punkt angelangt ist, an dem die Session geschrieben wird, würde also die Tabelle sperren für sämtliche anderen Seitenaufrufe, die in diesem Moment aus der Sessiontabelle lesen möchten - das Performanceproblem ist ab einer bestimmten Anzahl von gleichzeitigen Benutzern vorprogrammiert.

Klassischerweise geht man nun so vor, dass man die Tabelle in InnoDB umwandelt und wieder einige Zeit das Slow Log oder die Prozessliste beobachtet - sinkt die Lock_Time der Abfragen deutlich, hat man einen Flaschenhals erfolgreich eliminiert.

Nun, es wäre freilich zu schön, wenn es nicht doch den ein oder anderen Haken bei der Sache gibt; zum Glück lassen sich die meisten aber zumindest einigermassen elegant umschiffen.

Eine Einschränkung von InnoDB ist beispielsweise, dass der FULLTEXT Index nicht unterstützt wird. Dies war bei My-Hammer ein Problem, weil wir eine Tabelle, die ziemlich eindeutiger Kandidat für eine Umstellung von MyISAM auf InnoDB war, in einem Teil unserer Applikation auch durchsuchen mussten, und zwar eben gerade einige TEXT-Felder, was ohne FULLTEXT Index nicht wirklich Spass macht.

Die Lösung war, die Tabelle umzuwandeln und damit in der Tabelle selbst auf die FULLTEXT Indizes zu verzichten, per cronjob aber eine weitere Tabelle regelmässig mit den Daten der Ursprungstabelle zu füllen. Geschrieben wurde in diese Tabelle nur durch besagten Crobjobs, ansonsten fanden ausschliesslich Lesezugriffe statt, womit MyISAM wieder die perfekte Wahl war - und wir hatten unsere FULLTEXTs wieder. Schöner Nebeneffekt: durchsucht werden müssen eh nur eine Untermenge aller Zeilen der Ursprungstabelle, und es müssen auch nicht alle der (recht zahlreichen) Spalten in die Suchtabelle übertragen werden.

Dadurch konnten wir nicht nur das Lockingproblem der ursprünglichen Tabelle lösen, sondern aufgrund der schlankeren Datenbasis in der Suchtabelle die Suche deutlich beschleunigen.

Wichtig ist jedoch: diese Lösung ist nur möglich, weil wir in diesem Fall darauf verzichten können, auf absoluten Livedaten zu suchen.

Meiner Erfahrung nach kann man zusammenfassend sagen: Es gibt nur eine einzige Massnahme, die mehr Performance bringt als Caching, und das ist noch mehr Caching. Das gilt, um mal zum Haupthema zurückzukehren, vor allem in Bezug auf Performance bei plötzlichen Besucheranstürmen.

Statische Inhalte

Wenn man einen TV Beitrag über die eigene Plattform überleben will, dann gibt es nichts, aber auch wirklich gar nichts Wichtigeres als dies hier: Die Startseite der Plattform ist eine statische HTML Seite. Und zwar in aller Konsequenz, was heissen soll, dass der Aufruf der Seite nicht nur keine Datenbankverbindung zur Folge hat, sondern dass noch nicht einmal der PHP Interpreter auch nur gestartet wird. Die Startseite von My-Hammer ist eine .html Seite, die im Gegensatz zu den .php Seiten per Apache-Konfiguration mod_php noch nicht mal von Weitem zu sehen bekommt. Selbiges sollte konsequenterweise auch für alle JavaScript und CSS Dateien, die von der Startseite eingebunden werden, gelten. Ob man hierfür nun mit Proxylösungen arbeitet oder Seiten regelmäßig vorgeneriert, ist Geschmackssache.

Man darf nie den Performancevorteil reinen HTMLs unterschätzen - selbst wenn sich die Datenbanken schon alle verabschiedet haben und die Webserver bereits richtig unter Dampf sind: Eine HTML Seite auszuliefern schafft sogar ein Webserver, der schon ziemlich am Ende ist. Und man wahrt vor allem noch am ehesten sein Gesicht, wenn die ganzen neuen Benutzer, die aufgrund des TV Beitrages neugierig geworden sind, zumindest die Startseite zu sehen bekommen. Was immer man neben der Startseite noch an Seiten statisch vorgenerieren kann, ohne dass der angebotene Dienst selber “statisch” wird, sollte man natürlich machen (denn wie oft ändern sich schon Seiten wie Über uns?). Hierbei macht es Sinn, sich mithilfe der Zugriffsstatistiken einmal anzuschauen, welchen Weg neue Benutzer in der Regel auf der Plattform nehmen, um so auch wirklich jene Seiten zu cachen, die bei einem Ansturm am ehesten angesurft werden.

Eine dynamische Seite als statische Seite vorzugenerieren ist dabei natürlich die konsequenteste Version von Caching, aber nicht immer praktikabel. My-Hammer nutzt eine zweite Stufe des Cachings, bei dem zwar weiterhin dynamische Seiten ausgeliefert werden, diese aber ganz oder teilweise in dedizierten Cache-Backends (wir nutzen dazu memcached) abgelegt sind, um Ergebnisse teurer Datenbankabfragen, die nicht immer absolut live zur Verfügung stehen müssen, zwischenzuspeichern. Diese zwischengespeicherten Einträge können zum einen nach einer gewissen Zeit ablaufen und werden dann neu aus der Datenbank erzeugt, oder können gezielt als “dirty” markiert werden, wenn die Datenbestände die sie widerspiegeln sich ändern.

Wie oben erwähnt kann es sich außerordentlich lohnen, diese Cacheinhalte auf dedizierten Maschinen bereitzustellen - was wiederum deutlich zeigt, dass manche Massnahmen zur Performancesteigerung bestenfalls halbgar sind, wenn Admins und Programmierer nicht zusammenarbeiten.

Everybody needs a 304

(oder: Wie ich dem Browser des Users helfe, optimal zu cachen)

Bisher bin ich lediglich auf ein Ziel von Performanceoptimierung eingegangen - zu verhindern, dass die eigenen Server zusammenbrechen, wenn’s mal brenzlig wird. Man muss sich aber unbedingt bewusst machen, dass Optimierungen auf dem Server erstmal keinen Wert an sich darstellen, sondern nur dem eigentlichen Ziel dienen: dem User die Benutzung der eigenen Seite so schnell und angenehm wie möglich zu machen - indem die Seite grundsätzlich erreichbar bleibt, und indem die Seite sich so schnell wie möglich aufbaut.

Wenn man sich das erstmal bewusst gemacht hat, ist auch klar dass es sich sogar lohnen kann, etwas Rechenzeit auf dem Server zu investieren, um sie dem Client (also Browser) abzunehmen.

Aber der Reihe nach. Es gibt ein wichtiges Hilfsmittel, um den Aufbau einer Webseite im Browser deutlich zu beschleunigen (abgesehen von den üblichen Massnahmen wie geringer Dateigröße, möglichst wenig eingebetteten Objekten etc.), und das ist die Verwendung des HTTP Status 304 Not Modified. Diesen kann der Server senden, wenn er anhand der Anfrage des Clients erkennt, dass exakt der Inhalt, den der Browser bereits in seinem Cache hat, nochmal über die Leitung wandern würde - in diesem Fall sendet der Server diesen Inhalt dann eben nicht nochmal, sondern teil dem Browser nur mit, er möge auf den Inhalt seines Caches zurückgreifen.

Dies kann zu erheblichen Performancesteigerungen auf Seiten des Clients führen, denn die Zeit die zum Download des Inhalts einer Seite benötigt wird, entfällt.

Es gibt nun zwei Faktoren, die das Status 304 Handling beeinflussen und spezielle Anpassungen erfordern, um optimales Clientcaching zu ermöglichen: Die Auslieferung von Seiten über PHP Skripte (gilt prinzipiell auch für andere Skriptsprachen) und der Betrieb einer Plattform in einem Webserver-Cluster.

Zuerst zu letzterem: Um in der gegenseitigen Kommunikation festzustellen, ob ein Inhalt vom Server neu ausgeliefert werden muss oder der Browser den Inhalt aus dem eigenen Cache lädt, gibt es den sogenannten Etag. Ein ganz kurzer Abriss, wie die Verwendung abläuft. Der Client fragt eine Ressource beim Server an. Es ist der erste Zugriff innerhalb dieser Browsersitzung, deshalb schickt der Client kein Etag mit. Der Server sendet daraufhin die Inhalte aus, und schickt in den Headern den Etag des aktuellen Inhalts dieser Ressource mit, sagen wir “12345″ (der Server schickt dazu den Header Etag: “12345″).

Fragt der Client nun erneut dieselbe Ressource beim Server an, schickt er in seinen Headern wiederum die Information mit, dass er in seinem Cache bereits die Inhalte mit dem ETag “12345″ gespeichert hat, und der Server ihn informieren möge falls sich die Inhalte nicht geändert haben (der Client schickt dazu den Header If-None-Match: “12345″). Der Server kann dann schauen, ob die Inhalte die er ausliefern würde immer noch das ETag “12345″ haben, und in diesem Fall den erwähnten HTTP Status 304 senden, oder, falls Inhalt und ETag nicht mehr zueinander passen, den neuen Inhalt schicken.

Die Frage ist nun: Wie genau ist denn definiert, was im Etag steht? Nun, im Prinzip gar nicht. Es gibt kein vorgeschriebenes Format, wichtig ist nur die Definition des Etag an sich: dass nämlich ein eindeutiges Etag zu einem eindeutigen Inhalt einer bestimmten Ressource gehört, und deshalb festgestellt werden kann ob sich der Inhalt einer Ressource zwischen zwei Requests geändert hat oder nicht. Man kann sich den Etag deshalb der Einfachheit halber als Checksumme des Inhalts vorstellen (und in der Tat besteht eine Möglichkeit den Etag zu generieren darin, z.B. die MD5 Summe des Inhalts zu berechnen).

Woher kommt der Etag? Beim Apache ist es Teil der Kernfunktionalität, für eine angeforderte Ressource den Etag zu berechnen und mitzusenden, sowie entsprechend zu reagieren wenn ein Client den If-None-Match Header sendet. Alles out-of-the-box also, aber genau hier liegen für uns die Probleme:

Problem 1: Defaultmässig berechnet Apache den Etag für eine Ressource, indem eine Art Quersumme aus diesen Informationen generiert wird: I-Node-Nummer der angefragten Datei, letzter Änderungszeitpunkt (mtime) der angefragten Datei, und Größe der angefragten Datei. Betreibt man eine Webseite auf nur einem Server, hat man kein Problem, denn wenn z.B. die Datei /index.html zwischen zwei Aufrufen nicht verändert wird, hat sie bei beiden Zugriffen denselben Etag, da keiner der drei Faktoren inode, mtime, size zwischenzeitlich verändert wurde.

Betreibt man aber einen Cluster aus mehreren Webservern, und besteht die Möglichkeit, dass ein Client bei zwei aufeinanderfolgenden Aufrufen derselben Ressource zuerst auf einem Webserver, beim zweiten Aufruf aber auf einem anderen landet, dann ist, auch wenn auf beiden Servern die exakt gleiche Datei liegt, der Etag beide Male ein anderer, denn selbst wenn letzter Änderungszeitpunkt und Größe der Datei auf beiden Servern identisch sind: dass die I-Node-Nummer die gleiche ist, ist praktisch ausgeschlossen. Der Server wird also keine 304 Status senden, obwohl er es könnte.

Abhilfe ist zum Glück sehr einfach möglich, und lohnt sich schon beim Wechseln von einem auf zwei Server: Man muss dem Apache mitteilen, dass er die I-Node-Nummer nicht mehr zur Berechnung des Etag heranziehen soll. Dies erledigt an zentraler Stelle die Anweisung FileETag MTime Size. Mehr dazu im Apache Handbuch.

Problem 2: mod_php hebelt die Verwendung von Etag für PHP Skripte aus. Das macht ja prinzipiell auch Sinn: selbst wenn die Skriptdatei /index.php sich zwischen zwei Aufrufen inhaltlich überhaupt nicht geändert hat, kann sie dennoch völlig unterschiedliche Inhalte an den Client ausliefern - genau das ist ja Sinn und Zweck des Einsatzes von dynamischen Seiten.

Trotzdem kann es Sinn machen, dass der Server den Status 304 an einen Client sendet, wenn dieser dieselbe Ressource erneut anfragt. Zum Beispiel bei CSS Skripten, die von jeder Seite der Plattform eingebunden werden, und aus programmiertechnischen Erwägungen als PHP Skripte realisiert sind, aber deren Inhalt sich trotzdem sehr selten ändert. Jeder Seitenaufruf würde den Browser veranlassen, dies referenzierte CSS Datei anzufragen, und der Server würde jedes Mal den Inhalt senden, obwohl sich dieser seit dem letzten Aufruf nicht geändert hat. Das macht den Seitenaufbau im Client langsam, und ist zudem eine Ressourcenverschwendung.

Wie kann man nun sicherstellen, dass ein Client den 304 Status auch beim Abruf von PHP Skripten erhält, falls sich der Inhalt nicht verändert hat, aber auch auf keinen Fall einen 304 Status bekommt, falls der Inhalt sich geändert hat? Die Lösung ist leider nicht ganz so trivial wie beim ersten Problem, aber doch vergleichsweise einfach zu realisieren.

Da wie erwähnt der Zustand der Skriptdatei selbst praktisch keine Rolle spielt, darf man nur mit dem von diesem Skript auszuliefernden Inhalt arbeiten. Eine Lösung wäre, bei den Skripten, für die man den Etag Mechanismus einsetzen möchte, folgenden Code ans Ende anzuhängen (lässt sich natürlich einfach in eine zentrale Funktion kapseln):

 

 

<?php

$output = ob_get_clean(); // Gesamte Ausgabe, die an den Client gesendet werden soll, abfangen und zwischenspeichern
$etag = ‘”‘.sha1($output).‘”‘; // Prüfsumme der Ausgabe berechnen// Ist der Inhalt identisch mit dem, den der Client gecached hat?

if ($_SERVER[‘HTTP_IF_NONE_MATCH’] == $etag) // Wenn ja, dann sende nur den Status 304
{
    header(‘HTTP/1.x 304 Not Modified’);
    header(‘Etag: ‘.$etag);
    die();
}
else // Wenn nicht, dann sende den Inhalt inkl. des neuen Etags
{
    header(‘Etag: ‘.$etag);
    echo $output;
    die();
}

?>

Voraussetzung ist dafür die Verwendung von output buffering.

Eines muss man ganz klar festhalten - für den Server fällt exakt dieselbe Arbeit an, egal ob der User den Inhalt schlussendlich zugesendet bekommt oder nur die lapidare Meldung, er möge doch auf seinen Cache zurückgreifen. Es mag nach deutlich zuviel Overhead aussehen, PHP soviel Arbeit erledigen zu lassen, nur um das Ergebnis dieser Arbeit dann wegzuschmeissen; aber der Effekt auf die Lade- und damit Seitenaufbauzeiten beim Client ist wirklich beeindruckend, wenn man diesen Mechanismus geschickt einsetzt.